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  • Julia Anders

Was ist Yoga?

Yoga - Sanskrit योग von yuga ‚Joch‘, yuj für: ‚anjochen, zusammenbinden.' Ziemlich unromantisch, oder?


Yoga ist so vieles, so breit gefächert und doch ist es eindeutig zu beschreiben. Mir sagte mein Mentor bei meiner Yoga-Ausbildung in Indien einmal, dass es fatal wäre, Yoga nur als Gymnastiksport anzusehen. Genauso fatal wäre es jedoch, diese Komponente außer Acht zu lassen.


Bereits 700 v. Chr. entstand das Konzept rund um Yoga in Indien. Doch anders als heute, war es eine meditative, rein spirituelle Praxis ohne jeglicher Religion oder Philosphie zu folgen. Das einzige, das im Mittelpunkt stand und steht, ist der Mensch, auf der Reise zu sich selbst. Yoga wurde lediglich im Schneidersitz praktiziert, die einzige Pose.

Erst ab dem 17. Jahrhundert entstanden 84 Asanas (Yogaposen). Im 19. Jahrhundert dann entsteht eine strikte Form des Yogas: das Ashtanga Yoga stammt aus dem Militär und war für Männer konzipiert, um einen starken, kräftigen Körper zu entwickeln. Seit sich die Praxis in Amerika verbreitete, wächst das Interesse für Yoga und entwickelt sich stets weiter.


Das Wort Yoga bedeutet zu verein(ig)en. Es geht konkret um die Bildung der Einheit von Körper, Geist & Seele - um die Vereinigung aller Aspekte deines Seins.

In unserer modernen Welt mag die sportliche Seite, wie zum Beispiel der Kraftaufbau der Muskeln, die Verbesserung deiner Ausdauer, das Versprechen eines schlanken Körpers oftmals im Fokus stehen. Und es ist wahr, dass ein gesunder Körper wichtig ist. Mehr noch, Gesundheit ist meiner Meinung nach unser wertvollstes Gut. Ohne Gesundheit wiegen alle anderen Bereiche des Lebens schwer. Doch es ist ein Irrglaube, deine mentale und seelische Gesundheit würden dabei keine Rolle spielen. Und genau da fangen wir an, Yoga in seiner Ganzheit zu begreifen.

"The body benefits from movement, and the mind benefits from stillness." -Sakyong Mipham

In der westlichen Wirtschaft & im digitalen Zeitalter scheint alles schneller - effektiver - besser laufen zu müssen. Unsere Gedanken kreisen, unser Herz pumpt Koffein durch den Körper, unsere Finger rasen über das Smartphone, wir sitzen viel am Computer, starren auf den Monitor, blicken auf das Handydisplay. Kein Wunder, dass die Gedanken kaum zur Ruhe kommen können, wenn wir immer auf dem neusten Stand oder erreichbar sein wollen. Was den Geist gesund hält, sind Ruhe, Konzentration, auch mal Langeweile & besonders Bewusstwerden.

Atmen. Ankommen. Nicht irgendwo da draußen. In uns selbst. Doch wir müssen den Geist trainieren, wie einen Muskel, damit nicht unsere Gedanken & Gefühle das Steuer übernehmen, sondern wir. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass wir lediglich Gefühle und Gedanken haben, wir sind eng mit ihnen verwoben. Doch sie sind nicht, wer wir sind. Also - wer sind wir dann?

"Feel what you need to feel and then let it go. Do not let it consume you." -Dhiman

Yoga öffnet in uns Fragen. Interessanterweise muss es aber keine Antworten liefern. Und wie mein Philosophielehrer in Indien zu sagen pflegte, geht es im Leben nicht darum, immer eine Antwort zu haben. Es geht um die Fragen, die wir uns selbst stellen (oder welche wir nicht stellen, vielleicht?) und was diese mit uns machen. Yoga ist in meinen Augen die Kunst & Möglichkeit, uns selbst (wieder)zuentdecken.

Yoga dient als Ausgleich & sanfter Begleiter für eine lebenslange Reise zu uns selbst.



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